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Es war ein Abend der langen Gesichter und der düsteren Diagnosen im ZDF-Hauptstadtstudio. Wer am Donnerstagabend auf aufmunternde Worte oder gar Optimismus gehofft hatte, wurde bei „Maybrit Illner“ enttäuscht. Unter der Moderation von Shakuntala Banerjee, die Maybrit Illner vertrat, versammelte sich eine Runde, die man treffend als den „halbrunden Schadenstisch der deutschen Wirtschaft“ bezeichnen könnte. Das Thema der Sendung ließ bereits wenig Spielraum für Träumereien: „Deutschland ohne Wachstum – Opfer bringen für den Neustart?“.
Die Ausgangslage könnte kaum ernster sein. Nach drei Jahren der Stagnation rechnet die Bundesregierung für das Jahr 2026 mit einem mageren Wachstum von gerade einmal einem Prozent. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) saß in der Runde und musste erklären, warum der einstige Wirtschaftsmotor Europas ins Stottern geraten ist. Ihm gegenüber: Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), die Journalistin Eva Quadbeck (RND) und der österreichische Ökonom Gabriel Felbermayr. Letzterer sorgte schließlich für den einzigen Moment der Sendung, in dem Tacheles geredet wurde – mit einem Reformvorschlag, der im politischen Berlin für Schnappatmung sorgen dürfte.
Die Sendung begann mit einer Bestandsaufnahme, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. „Unser altes Wirtschaftsmodell funktioniert nicht mehr“, räumte Finanzminister Klingbeil ein. Die Zeiten von billigem russischen Gas, unbegrenzten Exportmöglichkeiten nach China und dem verlässlichen Schutzschirm der USA seien vorbei. Klingbeil, der in der aktuellen Regierungskoalition eine Schlüsselrolle einnimmt, versuchte, die massiven staatlichen Investitionen zu verteidigen. CDU und SPD würden Milliarden in die Hand nehmen, um die Transformation zu gestalten. Doch die Früchte dieser Politik lassen auf sich warten.
Hildegard Müller, als Vertreterin der deutschen Schlüsselindustrie, malte ein düsteres Bild der Realität in den Unternehmen. Es seien nicht nur die globalen Verwerfungen, die der Wirtschaft zusetzten, sondern vor allem hausgemachte Probleme. „Wir haben einen Rucksack voller Steine, mit dem wir versuchen, einen Marathon zu gewinnen“, beschrieb sie die Situation bildhaft. Bürokratie, Fachkräftemangel und vor allem die im internationalen Vergleich viel zu hohen Energiekosten würden Investitionen am Standort Deutschland zunehmend unattraktiv machen. Die VDA-Chefin warnte eindringlich vor einer schleichenden Deindustrialisierung, wenn nicht schnell gegengesteuert werde.
Während sich die Politiker und Verbandsvertreter noch in der Problembeschreibung und gegenseitigen Schuldzuweisungen übten, war es Gabriel Felbermayr, der die Diskussion auf eine andere Ebene hob. Der renommierte Ökonom, der aktuell auch als Berater der CDU-Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche fungiert, ließ die üblichen Floskeln von „Transformation“ und „Zukunftsinvestitionen“ nicht gelten. Sein Befund war schonungslos: Deutschland lebe über seine Verhältnisse und arbeite zu wenig für seinen Wohlstand.
Felbermayr lieferte den einzigen wirklich konkreten – und zugleich schmerzhaften – Reformvorschlag des Abends. Angesichts des demografischen Wandels und des akuten Arbeitskräftemangels führe kein Weg an einer Erhöhung der Arbeitszeit vorbei. „Wir können uns den aktuellen Wohlstandsniveau nicht mit sinkenden Arbeitsstunden sichern“, argumentierte der Österreicher nüchtern. Er plädierte explizit für Anreize zur Mehrarbeit und stellte die Tabufrage nach einer Anpassung der Wochenarbeitszeit nach oben. Während in der Politik oft über die Vier-Tage-Woche diskutiert wird, forderte Felbermayr faktisch eine Rückkehr zum Leistungsprinzip: Mehr Arbeit, weniger staatliche Alimentierung.
Laut Felbermayr müsse auch der Sozialstaat auf den Prüfstand. Die Kosten stiegen schneller als die Wirtschaftskraft, was die Lohnnebenkosten in die Höhe treibe und Arbeit in Deutschland noch teurer mache. Sein Vorschlag: Eine strikte Begrenzung der Sozialausgaben, um Spielräume für steuerliche Entlastungen von Unternehmen und Arbeitnehmern zu schaffen. Nur so könne der „Neustart“ gelingen.
Die Reaktionen in der Runde waren bezeichnend für die aktuelle politische Lähmung. Lars Klingbeil wies die Forderungen nach Einschnitten im Sozialsystem erwartungsgemäß zurück. Für die SPD bleibe der soziale Frieden ein hohes Gut, das man nicht für kurzfristige wirtschaftliche Effekte opfern dürfe. Er setzte stattdessen weiterhin auf staatliche Impulse und eine aktive Industriepolitik. Die Frage, wie diese dauerhaft finanziert werden soll, wenn das Wachstum ausbleibt, blieb jedoch weitgehend unbeantwortet.
Eva Quadbeck vom RedaktionsNetzwerk Deutschland analysierte die politische Gemengelage treffend. Die Koalition sei gefangen in einem Dilemma: Die notwendigen Reformen seien unpopulär und würden den Bürgern „Opfer“ abverlangen – ein Wort, das Politiker im Wahlkampfmodus scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Dass nun ausgerechnet ein externer Berater wie Felbermayr die unangenehmen Wahrheiten aussprechen müsse, zeige, wie sehr sich die deutsche Politik in ihren eigenen Narrativen verfangen habe.
Der Abend bei „Maybrit Illner“ – souverän moderiert von Shakuntala Banerjee – war mehr als nur eine weitere Talkshow. Er war ein Spiegelbild der aktuellen Ratlosigkeit. Während alle Beteiligten die Schwere der Krise anerkennen, fehlt es an politischem Mut, die logischen Konsequenzen zu ziehen. Der „halbrunde Schadenstisch“ machte deutlich: Die Diagnose ist klar, das Rezept liegt auf dem Tisch – doch der Patient weigert sich noch, die bittere Medizin zu schlucken. Gabriel Felbermayrs Vorstoß zur Mehrarbeit mag unpopulär sein, doch er war an diesem Abend der einzige Vorschlag, der der Größe der Herausforderung gerecht wurde. Ob die Politik diesen Impuls aufgreift oder weiter auf das Prinzip Hoffnung setzt, wird über die wirtschaftliche Zukunft des Landes entscheiden.
Unter der Moderation von Shakuntala Banerjee, die Maybrit Illner vertrat, diskutierten der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil, VDA-Präsidentin Hildegard Müller, die Journalistin Eva Quadbeck und der Ökonom Gabriel Felbermayr. Thema der Runde war die anhaltende Wirtschaftsschwäche Deutschlands und die Frage, ob Bürger für einen Neustart Opfer bringen müssen.
Laut der Diskussion funktioniert das alte Geschäftsmodell, das auf billigem russischen Gas und Exporten nach China basierte, nicht mehr. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie überbordende Bürokratie, ein akuter Fachkräftemangel und im internationalen Vergleich zu hohe Energiekosten, die Investitionen am Standort Deutschland unattraktiv machen.
Felbermayr schlägt eine Erhöhung der Arbeitszeit und Anreize für Mehrarbeit vor, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und den Wohlstand zu sichern. Zudem fordert er eine strikte Begrenzung der Sozialausgaben, um die Lohnnebenkosten zu senken und finanzielle Spielräume für steuerliche Entlastungen von Unternehmen und Arbeitnehmern zu schaffen.
Vertreten durch Lars Klingbeil lehnt die SPD Einschnitte im Sozialsystem ab, da der soziale Frieden als hohes Gut betrachtet wird, das nicht für kurzfristige wirtschaftliche Effekte geopfert werden darf. Stattdessen setzt die Politik weiterhin auf staatliche Investitionen und eine aktive Industriepolitik, wobei die Finanzierung angesichts des fehlenden Wachstums kritisch hinterfragt wird.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller nutzte diese Metapher, um die Belastung der deutschen Industrie zu beschreiben. Während Unternehmen versuchen, im globalen Wettbewerb zu bestehen, werden sie durch hausgemachte Hindernisse wie Bürokratie und hohe Kosten gebremst, was ohne Gegenmaßnahmen zu einer schleichenden Deindustrialisierung führen könnte.