Kurz gesagt (TL;DR)
Den Unterschied zwischen historischer und impliziter Volatilität zu verstehen, ist entscheidend, um die Signale des VIX, auch bekannt als der Angstindikator der Finanzmärkte, zu interpretieren.
Die Analyse konzentriert sich auf die Unterscheidung zwischen historischer (rückblickender) und impliziter (vorausschauender) Volatilität und stellt den VIX-Index als Barometer für die Markterwartungen vor.
Anschließend wird der VIX, bekannt als der Angstindex, als grundlegendes Instrument zur Messung der Markterwartungen und zur Umsetzung von Handelsstrategien analysiert.
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Stellen Sie sich vor, Sie segeln auf offener See. Manchmal ist das Wasser ruhig und die Überfahrt verläuft friedlich, ein andermal machen plötzliche Wellen die Reise unvorhersehbar und riskant. Die Finanzmärkte sind da gar nicht so anders. Es gibt eine Kraft, die Volatilität genannt wird und genau die Amplitude und Geschwindigkeit dieser „Wellen“ in den Preisen von Aktien, Anleihen und anderen Instrumenten misst. Den Unterschied zwischen historischer und impliziter Volatilität zu verstehen und vor allem den VIX-Index, bekannt als der „Angstindex“, zu kennen, ist für jeden Anleger von grundlegender Bedeutung – vom erfahrensten bis zum Neuling, der zum ersten Mal in diese Welt eintaucht.
Dieser Artikel wird Sie bei der Entdeckung dieser Konzepte begleiten und auf einfache Weise erklären, was sie sind, wie sie gemessen werden und warum sie für die Interpretation der Marktstimmung so wichtig sind. Wir werden sehen, wie diese in den Vereinigten Staaten entstandenen Indikatoren auch im europäischen und deutschen Kontext Anwendung finden, der von einer Finanzkultur geprägt ist, die Tradition und Innovation in Einklang bringt.

Was ist Volatilität: Ein Schlüsselkonzept an den Märkten
Im Finanzwesen ist die Volatilität eine statistische Kennzahl, die die Preisschwankung eines Finanzinstruments über einen bestimmten Zeitraum angibt. Einfach ausgedrückt sagt sie uns, wie schnell und wie stark der Wert eines Wertpapiers, wie zum Beispiel einer Aktie, steigen oder fallen kann. Eine hohe Volatilität bedeutet, dass der Preis großen und plötzlichen Schwankungen unterliegen kann, was ein höheres Risiko, aber auch potenzielle Gewinnchancen mit sich bringt. Im Gegensatz dazu deutet eine niedrige Volatilität darauf hin, dass der Preis im Laufe der Zeit stabiler ist. Es ist ein bisschen wie das Wetter: Ein Tag mit hoher Volatilität ist ein Sturm, während ein Tag mit niedriger Volatilität ein sonniger Tag ohne eine einzige Wolke ist.
Die Volatilität ist nicht nur ein entscheidender Faktor zur Bewertung des Risikos einer Anlage, sondern auch für die Preisgestaltung komplexer Finanzinstrumente wie Optionen. Es gibt zwei Hauptmethoden, um sie zu messen, die zwei unterschiedliche, aber sich ergänzende Perspektiven bieten: die historische Volatilität, die in die Vergangenheit blickt, und die implizite Volatilität, die versucht, die Zukunft vorwegzunehmen.
Historische Volatilität: Ein Blick in die Vergangenheit, um die Gegenwart zu verstehen

Die historische Volatilität (oft als HV abgekürzt) ist das Maß für die in der Vergangenheit verzeichneten Preisschwankungen. Sie wird als Standardabweichung der Renditen eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel die letzten 30, 60 oder 90 Tage, berechnet. Dieser in Prozent ausgedrückte Wert gibt uns ein objektives Bild davon, wie „nervös“ ein Vermögenswert in einem bestimmten Zeitraum war. Wenn eine Aktie eine hohe historische Volatilität aufwies, bedeutet das, dass ihre Preise starken Schwankungen unterlagen.
Im Wesentlichen ist die historische Volatilität eine numerische Zusammenfassung des vergangenen Verhaltens eines Finanzinstruments und somit ein rein mathematischer Bezugspunkt, der nichts über das zukünftige Verhalten des Basiswerts aussagt.
Technische Analysten verwenden häufig die historische Volatilität, um Indikatoren wie die Bollinger-Bänder zu erstellen, die dabei helfen, potenziell überzogene Preisniveaus zu identifizieren. Obwohl sie nur in den Rückspiegel schaut, ist die Analyse der vergangenen Volatilität ein unverzichtbarer Ausgangspunkt, um den Charakter einer Anlage und ihr inhärentes Risikoniveau zu verstehen.
Implizite Volatilität: Die Zukunft durch Optionen vorhersagen
Im Gegensatz zu ihrem historischen Gegenstück ist die implizite Volatilität (IV) ein zukunftsgerichteter Indikator. Sie basiert nicht auf vergangenen Preisen, sondern wird aus den aktuellen Preisen von Optionen auf ein bestimmtes Wertpapier oder einen Index „impliziert“ oder abgeleitet. Optionen sind Verträge, die das Recht, aber nicht die Pflicht geben, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis bis zu einem bestimmten Datum zu kaufen (Call- und Put-Optionen) oder zu verkaufen. Ihr Preis hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Markterwartung über die zukünftige Volatilität.
Wenn Anleger eine turbulente Zeit erwarten, sind sie bereit, mehr für Optionen zu bezahlen, sei es als eine Form der Versicherung oder um auf große Preisbewegungen zu spekulieren. Dies treibt die Optionsprämien und folglich die implizite Volatilität in die Höhe. Aus diesem Grund gilt die implizite Volatilität als ein starkes Thermometer für die Marktstimmung: Wenn sie steigt, deutet dies darauf hin, dass die Marktteilnehmer Spannungen und Unsicherheit erwarten; wenn sie fällt, signalisiert sie Ruhe und Vertrauen. Komplexe Modelle wie das von Black-Scholes sind für die Berechnung dieses Wertes unerlässlich.
Der VIX: Der Angstindikator einfach erklärt
Der bekannteste Indikator, der auf der impliziten Volatilität basiert, ist der CBOE Volatility Index, allgemein bekannt als VIX. Der VIX wurde 1993 von der Chicago Board Options Exchange (CBOE) geschaffen und misst die implizite 30-Tage-Volatilität des S&P 500 Index, des wichtigsten US-Aktienindex. Da der S&P 500 als Barometer für die Gesundheit der gesamten amerikanischen Wirtschaft gilt, ist der VIX zu einem globalen Maßstab für die Messung der Anlegerstimmung geworden.
Der VIX wird gemeinhin als „Angstindex“ bezeichnet, da er in Zeiten von finanziellem Stress, Unsicherheit und Panik, wenn Anleger Markteinbrüche befürchten, tendenziell stark ansteigt.
Seine Funktionsweise basiert auf einer typischerweise inversen Korrelation zum Aktienmarkt: Wenn der S&P 500 fällt, steigt der VIX und umgekehrt. Das macht ihn nicht nur zu einem Indikator, sondern auch zu einem handelbaren Instrument über Futures und Optionen, das für Absicherungsstrategien des Portfolios oder zur direkten Spekulation auf die Volatilität genutzt wird.
Wie man den VIX interpretiert: Signale für Anleger
Zu verstehen, wie man den VIX liest, ist für Anleger unerlässlich. Obwohl es keine magische Formel gibt, gibt es Richtwerte, die bei der Interpretation seines Wertes helfen:
- VIX unter 20: Deutet im Allgemeinen auf einen stabilen Markt und ein geringes Maß an Angst unter den Anlegern hin. Diese Phase ist oft mit steigenden oder seitwärts tendierenden Aktienmärkten verbunden.
- VIX zwischen 20 und 30: Signalisiert eine Zunahme von Unsicherheit und Volatilität. Der Markt beginnt, Anzeichen von Nervosität zu zeigen, oft als Reaktion auf negative Wirtschafts- oder Geopolitiknachrichten.
- VIX über 30: Weist auf ein hohes Maß an Angst und Stress am Markt hin. Solch hohe Werte werden typischerweise bei starken Korrekturen oder Finanzkrisen verzeichnet, wie es 2008 oder während der Pandemie 2020 der Fall war.
Es ist wichtig zu bedenken, dass der VIX Erwartungen misst und die Zukunft nicht mit Sicherheit vorhersagt. Ein sehr hoher VIX kann Panik signalisieren, aber für Anleger mit einem langfristigen Horizont kann er auch eine Kaufgelegenheit darstellen, wenn „Blut auf den Straßen fließt“, wie Warren Buffett sagen würde. Der Einsatz von Instrumenten der quantitativen Analyse kann helfen, diese Signale in den richtigen Kontext zu setzen.
Volatilität in Deutschland und Europa: Ein europäischer Kontext
Obwohl der VIX an den amerikanischen Markt gebunden ist, ist seine Auswirkung global. Auch in Europa gibt es einen ähnlichen Indikator, den VSTOXX (EURO STOXX 50 Volatility Index), der die erwartete Volatilität des EURO STOXX 50 Index misst, welcher die 50 wichtigsten Blue Chips der Eurozone zusammenfasst. Der VSTOXX funktioniert ähnlich wie der VIX und gilt als der „europäische VIX“, der einen wertvollen Hinweis auf den Stress am Markt des Alten Kontinents liefert.
Im deutschen Kontext wird die Entwicklung der Volatilität sowohl von globalen Dynamiken als auch von spezifischen Faktoren unseres Wirtschafts- und Politiksystems beeinflusst. Die deutsche Anlegerkultur, die oft als eher risikoscheu gilt, spiegelt sich in den Anlageentscheidungen wider. Es gibt eine starke Tradition, die mit als „sicher“ geltenden Anlagen wie Immobilien und Staatsanleihen verbunden ist. Dennoch treiben Finanzinnovationen und eine zunehmende Finanzbildung immer mehr Sparer dazu, verschiedene Instrumente für den Aufbau eines modernen Portfolios zu erkunden und zu lernen, die Volatilität zu managen, anstatt sie passiv hinzunehmen.
Tradition und Innovation: Volatilität heute managen
Das Management der Volatilität ist ein Gleichgewicht zwischen Vorsicht und Mut. Einerseits lehrt uns die Tradition die Bedeutung der Diversifikation und eines langen Anlagehorizonts, um kurzfristige Schwankungen auszugleichen. Nicht impulsiv in Panikphasen zu reagieren, ist eine der goldenen Regeln, die große Investoren wie Benjamin Graham und Warren Buffett immer gepredigt haben. Emotionalität ist oft der schlimmste Feind des Anlegers.
Andererseits bietet uns die Innovation immer ausgefeiltere Werkzeuge zur Messung und Steuerung des Risikos. Indikatoren wie der VIX und der VSTOXX, die einst nur Profis zugänglich waren, stehen heute allen zur Verfügung. Den Unterschied zwischen der historischen Volatilität, die uns von der Vergangenheit erzählt, und der impliziten Volatilität, die uns von zukünftigen Erwartungen berichtet, zu verstehen, ermöglicht es, fundiertere Entscheidungen zu treffen. Es geht darum, die Weisheit der Tradition mit der Kraft innovativer Werkzeuge zu kombinieren, um erfolgreich an den Finanzmärkten zu navigieren.
Fazit

Volatilität ist kein Feind, den man fürchten muss, sondern ein wesentliches Merkmal der Finanzmärkte, das es zu verstehen und zu managen gilt. Die Unterscheidung zwischen historischer Volatilität, einem Maß für die Vergangenheit, und impliziter Volatilität, einer Vorausschau auf die Zukunft, ist der erste Schritt, um ein bewussterer Anleger zu werden. Der VIX-Index, oder „Angstindex“, hat sich als unersetzliches Barometer für die globale Stimmung etabliert, wobei sein europäisches Gegenstück, der VSTOXX, eine ähnliche Rolle für die Märkte unseres Kontinents spielt. Das Lesen dieser Indikatoren zu lernen bedeutet nicht, die Zukunft vorherzusagen, sondern vielmehr die „Stimmung“ des Marktes zu verstehen, um nicht in Stürmen in Panik zu verfallen und Chancen zu ergreifen, wenn das Meer wieder ruhig wird. In einer Welt, die Tradition und Innovation in Einklang bringt, bleibt Wissen das mächtigste Werkzeug, um das eigene Ersparte zu schützen und zu vermehren.
Häufig gestellte Fragen

Der VIX-Index, auch als „Angstindex“ bekannt, ist ein Indikator, der die erwartete Volatilität des US-Aktienmarktes für die nächsten 30 Tage misst. Im Grunde sagt er uns, wie stark die Anleger erwarten, dass der Markt kurzfristig schwanken wird. Ein hoher VIX deutet auf Nervosität und mögliche starke Turbulenzen hin, während ein niedriger VIX einen ruhigeren und stabileren Markt anzeigt.
Die historische Volatilität blickt in die Vergangenheit: Sie analysiert, wie stark die Preise eines Wertpapiers in einem bestimmten Zeitraum geschwankt haben, indem sie die Standardabweichung der Renditen berechnet. Die implizite Volatilität hingegen blickt in die Zukunft: Sie ist eine Schätzung zukünftiger Schwankungen, die auf den aktuellen Preisen von Optionen auf einen Index, wie dem S&P 500 für den VIX, basiert. Erstere ist eine Tatsache, letztere eine Erwartung.
Der VIX wird als „Angstindex“ bezeichnet, weil er tendenziell stark ansteigt, wenn Anleger besorgt sind und Unsicherheit an den Märkten herrscht, oft in Verbindung mit starken Kursrückgängen. Ein Anstieg des VIX spiegelt eine höhere Nachfrage nach „Versicherungen“ (Put-Optionen) gegen mögliche Markteinbrüche wider und signalisiert damit ein Gefühl der Angst und Risikoaversion unter den Marktteilnehmern.
Nicht unbedingt. Während ein hoher VIX auf starke Unsicherheit und Angst hindeutet, was zu Verlusten führen kann, schafft er andererseits auch Chancen. Für Trader, die auf Volatilität setzen, bedeutet ein hoher VIX größere Gewinnmöglichkeiten durch schnelle Preisschwankungen. Darüber hinaus sehen einige langfristige Anleger VIX-Spitzen als Signale für einen überverkauften Markt und somit als potenzielle Kaufgelegenheiten zu günstigen Preisen.
Ja, das europäische Äquivalent zum VIX heißt VSTOXX (EURO STOXX 50 Volatility Index). Dieser Index misst die erwartete 30-Tage-Volatilität des Aktienmarktes der Eurozone, basierend auf den Optionen des EURO STOXX 50 Index, der die 50 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung im Euroraum zusammenfasst. Wie der VIX ist auch der VSTOXX ein wichtiges Barometer für die Anlegerstimmung auf dem Alten Kontinent.

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